Marcello Aitiani

“Seit meiner Jugend liebe ich die Malerei und die Musik. Ich glaube, ich habe schon immer Musik als sozusagen raumergreifend gehört und sie als Bilder wahrgenommen. So haben mich mein Naturell und meine Biografie in die Bereiche der Transdisziplinarität und Synästhesie geführt.

Es war unvermeidbar als Jugendlicher in den 70-80 Jahren mit der avantgardistischen Literaturbewegung und seinen Künstlern in Kontakt zu kommen. Mit verschiedenen von ihnen, z.B. aus dem Bereich der „Sichtbaren Poesie“ und aus dem Umkreis von Fluxus stand ich im Austausch und habe mit ihnen gemeinsam an Ausstellungen und Initiativen teilgenommen.

Viele meiner Arbeiten sind tatsächlich durch die Koexistenz verschiedener Komponenten charakterisiert. Sichtbares steht neben Ton und Wort, ausgedrückt durch informelle Kunst sowie in Verbindung mit high tech.
Diese Ausdrucksart hat mich Mitte der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre an die Vertreter der Estetica della Comunicazione (Ästhetik der Kommunikation) angenähert, wie z.B. an die Künstler Roy Ascott, Fred Forest, Mit Mitropulos, aber auch an andere Künstler der musikalischen Szene, wie z.B. Pietro Grossi (seit den 50er Jahren ein Pionier auf dem Gebiet der elektronischen Musik) oder jüngere Künstler wie Francesco Giomi und Albert Mayr.

Im Laufe der Zeit habe ich mich immer mehr davon überzeugt, wie wichtig der Austausch verschiedener Künste ist, ebenso wie unter den Naturwissenschaftlern und den Geisteswissenschaftlern. Die Natur ist so komplex und ihre Reduktion in abgegrenzte Abteilungen führt aus sozialer und ökologischer Sicht zu katastrophalen Ergebnissen. So ist zum Beispiel die Schönheit von wissenschaftlichen Erkenntnissen und von Lebenspraxen getrennt worden: als eine oberflächliche Sache betrachtet, hat sie sich somit auch von den Künsten entfernt. So ist der Geschmack verdorben worden und unsere Seelen und unsere Städte haben sich mit hässlichen, ausdruckslosen, verwahrlosten Dingen gefüllt. Die Harmonie in ihrer Komplexität ist verloren gegangen und alles wird disharmonischer.

Ich wünsche mir, dass die Kunst wieder dazu zurückkehrt, Vernunft und Gefühl zu sein; Geist, Instinkt, Verstand und Gewissen, und, dass sie Schönheit und Harmonie zurückbringt, denn ohne sie kann der Mensch nicht leben.“

marcello.aitiani@gmail.com

Über das Etikett des  Querciavalle

Ein Tal (valle) und eine Eiche (quercia), zu nur einem Wort verschmolzen (Querciavalle) und in Pastelltönen stilisiert; im Schein des Sonnenaufgangs oder –untergangs auf einem dunklen Grund. Das war das Bild, welches ich, sehr früh schon, als Logo für den kräftigen Rotwein der Familie Losi zu synthetisieren suchte. Ein weiches Bild, genau wie der Hang eines Tales und gleichzeitig stark wie eine kraftvolle Eiche. Harmonische Kontraste unseres einmaligen Chianti-Gebietes.

Über das Etikett des  Armonia

Einem komplexen Wein, reich an Aromen, Gewürzen und Geschmacksvielfalt, dachte ich, müsse man einen adäquaten Namen geben: Armonia (Harmonie).
Harmonie wie die von musikalischen Akkorden und Farben, Harmonie wie die der Schönheit, die ich beim Laufen durch die sienesische Landschaft erlebe, und wenn ich mich von dieser Natur durchdringen lasse.

 

 

 

Nave di luce (Lichtschiff)

Diese multimediale Arbeit ist vor dem Zeitalter des Internets entstanden. 1993 (drei Jahre nach Nave di luce) hat die CERN die Technologie des World Wide Web zur öffentlichen Nutzung freigegeben. So handelt es sich also um eine Pionierarbeit musisch – telematischer Kunst (arte musica telematica) auch auf internationaler Ebene. Das Werk antizipiert und ergründet die bis dahin unbekannten Ausdrucks- und Lebensumstände, die in den folgenden Jahren in Konsequenz der neuen infotelematischen Technologien die Welt erobern würden.

Lasciarsi attraversare dalla natura (Sich durch die Natur durchdringen lassen)

 

Anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums hat sich das landwirtschaftliche Unternehmen Losi entschieden, dem Künstler Marcello Aitiani die Idealisierung eines Events anzuvertrauen, welches Orte und Personen hervorheben sollte, die Teil der Geschichte der Weinkellerei sind.

 

 

 

Unter der musikalischen Leitung von Piero A. Grazzini, und dem Mitwirken des Estro Armonico Ensembles sowie den Sängern Costanza Redini, Paola Lambardi und Amos Niccolini wurde ein künstlerisches Projekt realisiert, in dem sich Kunst, Musik und Poesie – basierend auf Dichtungen von Mario Luzi und Enzo Tiezzi – abwechselten und begleiteten. Die Feierlichkeit fand mit einem Abendessen höchsten gastronomischen Niveaus und mit Weinen der Familie Losi seinen krönenden Abschluss.